Hilfe bei psychischen Erkrankungen

Über Depressionen - der Versuch eines Leitfadens:

Depressionen und andere psychische Erkrankungen sind heute leider immer noch mit einem enormen Stigma für Betroffene verbunden. Die Erkrankten durchleben für "normale" Menschen nicht vorstellbares Leid - bis es nicht mehr auszuhalten ist.

Depressionen können dabei unterschiedlich schwer sein und unterschiedlich lange anhalten. Manchmal erlebt ein Mensch eine Depression nur einmal im Leben. Oft kommt die Depression aber immer wieder. Eine Depression ist häufig der Anfang anderer psychischer Folge- und Suchtkrankheiten, wenn diese nicht rechtzeitig behandelt wird. Depressionen treten auch in Kombination mit Traumata oder Ängsten auf.

Eine Depression äußert sich nicht immer einheitlich, auch gibt es Unterschiede bei Kindern, Männern und Frauen.



Hier nur ein paar wichtige
Symptome, die auf eine Depression hindeuten können (je nach Schweregrad müssen nicht immer alle Symptome gleichzeitig vorkommen):

- Du hast länger anhaltende Schlafprobleme. Es kann sein, dass Du nicht ein- oder durchschlafen kannst oder viel zu früh aufwachst.

- Am Morgen fühlst Du Dich so erschöpft, dass Du nicht aufstehen kannst. Du schleppst Dich durch den Tag, erst gegen Abend geht es Dir besser.
Es gibt auch eine Form der Depression, bei der es Dir morgens noch gut geht, Du alles machen kannst, die Erschöpfung und die depressive Stimmung aber im Laufe des Tages zunimmt und sich gegen Abend sehr verschlimmert. Selten kommen auch beide Formen wechselnd vor.

 

- Du hast langanhaltend keinen Appetit und nimmst ab oder Du isst sehr viel und legst an Gewicht zu.

- Deine Stimmung kann stark schwanken. Manchmal kann sie in Aggressionen gegen Dich selbst oder Deine Mitmenschen umschlagen.

- Nichts macht Dir mehr Spaß. Alles kommt Dir völlig sinnlos vor.

 

- Du hast keine Hoffnung für die Zukunft. Du denkst, dass es Dir nie wieder gut gehen kann.

- Du ziehst Dich zurück, gehst nicht mehr ans Telefon oder kommunizierst nicht mehr auf Deinen gewohnten Kanälen wie z.B. per Mail oder in den sozialen Medien. Du meldest Dich bei der Arbeit und für private Treffen immer öfter krank, Du unterbrichst vielleicht Deine Ausbildung oder Dein Studium weil nichts mehr funktioniert, Du kannst Dich nicht mehr konzentrieren, nicht mehr lernen und Du bestehst Deine Prüfungen nur noch ungewohnt schlecht oder gar nicht mehr.
Du fühlst Dich bei Deiner Arbeit überfordert, der soziale Druck steigt, dies lässt Dich noch mehr verzweifeln und noch weniger leistungsfähig sein. Du willst einfach nur noch in Ruhe gelassen werden und allein sein.

- Du quälst Dich mit ständig kreisenden Gedanken, fühlst Dich minderwertig und bist oft abgrundtief traurig. Du weinst viel. Du bist sehr verletzlich und hältst nichts mehr aus. Du fühlst Dich unverstanden.

- Du wünschst Dir, nicht mehr am Leben zu sein und es kann auch sein, dass Du Pläne schmiedest oder versuchst, Dir das Leben zu nehmen um Dein Leid zu beenden. Dabei kannst Du auch den Gedanken haben, dass es für Dich und alle Menschen in Deinem Umfeld besser ist, wenn Du nicht mehr da bist.



Wenn Du diese oder ähnliche Symptome bei Dir beobachtest oder jemanden kennst, der Dir von solch einem Erleben erzählt, dann gibt es gute Nachrichten!

Es gibt Menschen, die sich auf Depressionen und andere seelische Erkrankungen spezialisiert haben und diese mit Erfolg behandeln. Es ist kein Zeichen von Schwäche, diese Menschen aufzusuchen und ihre Hilfe anzunehmen. Du solltest Deine Gedanken nicht für Dich behalten und nicht versuchen, selbst damit fertig zu werden.
Wenn Dir solche Gedanken erzählt werden, dann besprich bitte mit demjenigen, der sich Dir in seiner Hilflosigkeit und Verletzlichkeit anvertraut hat, ob er sich vorstellen kann, professionelle Hilfe anzunehmen. Tu seine Not nicht ab, mache ihm keine Vorwürfe, nimm ihn ernst. Begleite ihn, wenn er so niedergeschlagen ist, dass er es nicht alleine schafft.

Psychische Erkrankungen sind viel komplizierter als körperliche Erkrankungen und so unterschiedlich wie die Betroffenen und ihre Lebensgeschichte. Es ist als Betroffener nicht immer einfach, die richtige Therapieform zu finden, manchmal hat man auch schon vieles mitgemacht und es ist schwer, sich noch einmal aufzuraffen und Hilfe in Anspruch zu nehmen.



Um Betroffenen zu helfen gibt es verschiedene therapeutische Lösungsansätze. Die Orientierung im Behandler- und Therapiedschungel ist nicht einfach, ich versuche knapp das Wesentliche zu erklären:

Die erste Behandlung der Seele entstand durch Sigmund Freud, der die
Psychoanalyse erfand. Seine Anhänger entwickeln diese wirksame Therapiemethode seitdem ständig weiter.
Ziel der Behandlung ist es, sich auf eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit und ins eigene Ich zu begeben und das aufzudecken, was wir mit uns herumtragen, was uns aber nicht oder nur wenig bewusst ist. Anhand dieser Entdeckungen versucht der Psychoanalytiker zusammen mit dem Betroffenen langfristig hilfreiche Lösungen für das zukünftige Leben zu entwickeln, zu helfen, sich von innen heraus zu stärken, sich selbst und andere besser zu verstehen und die komplizierten Zusammenhänge zu erklären.

In der
Tiefenpsychologie geht man davon aus, dass psychische Probleme neben unbewältigter innerer Konflikte eigentlich Beziehungsprobleme sind und versucht diese nachzuzeichnen. Die Tiefenpsychologie entstand aus der Psychoanalyse und ist mit ihr verwandt. Neben der sorgfältigen Aufarbeitung der Vergangenheit spielt die Gegenwartsbewältigung eine große Rolle.

Der Gegenpol zu diesen anerkannten und bewährten Therapiemethoden ist die
Verhaltenstherapie.
Diese Therapieform ist noch recht jung, es gibt zahlreiche Unterschiede innerhalb dieser Schule hinsichtlich theoretischer Annahmen und praktischer Methoden. Die Verhaltenstherapie beschäftigt sich wenig mit den tieferliegenden Ursachen sondern gibt dem Betroffenen Hilfen zur
Selbsthilfe an die Hand damit er seine Beschwerden überwinden kann.

Anhänger der
Psychoanalyse und der Tiefenpsychologie arbeiten nicht gleichzeitig in der Verhaltenstherapie und umgekehrt.
Diese Schulen unterscheiden sich sehr stark voneinander und sind in ihren Grundeinstellungen nicht miteinander zu vereinbaren.


Wer sind nun aber die Menschen, bei denen Betroffene Hilfe erhalten?
Die Behandler sind auch hier so unterschiedlich wie die Behandlungsformen.
Ein Überblick:


 

- Psychologische Psychotherapeuten

Psychologische Psychotherapeuten haben Psychologie studiert und an dieses Studium eine mehrjährige Ausbildung zum Psychotherapeuten angeschlossen. Er kennt sich sehr gut mit der Seele und der menschlichen Entwicklung in den verschiedenen Lebensabschnitten aus.
Überwiegend sind diese Psychotherapeuten tiefenpsychologisch ausgebildet und/oder haben sich auf die Psychoanalyse spezialisiert.
Psychologische Psychotherapeuten begreifen psychische Erkrankungen eher nicht als die Folge körperlicher Ursachen, wie etwa Veränderungen im Gehirn. Sie nehmen als Ursache psychischer Erkrankungen z.B. Traumata oder nicht bewältigte unbewusste Konflikte an.
Psychologische Psychotherapeuten verschreiben daher keine Medikamente und dürfen dies auch nicht. Eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie oder eine Psychoanalyse dauert mehrere Jahre. Sie kann teilweise als sehr belastend und aufwühlend empfunden werden. Dies ist normal und gehört zur Behandlung.

Sucht man einen Psychologischen Psychotherapeuten auf, erfordert dies vom Betroffenen während der Therapie ein sehr hohes Maß an Eigenverantwortung und die Bereitschaft, mit dem Therapeuten intensiv und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.

 

- Fachärzte für Psychotherapie

Der Facharzt für Psychotherapie hat ein reguläres Medizinstudium abgeschlossen. Daran wurde eine mehrjährige Weiterbildung zum Psychotherapeuten angeschlossen. Er arbeitet verhaltenstherapeutisch oder tiefenpsychologisch fundiert und kann auch eine Weiterbildung zum Psychoanalytiker absolviert haben.

Der Facharzt für Psychotherapie kann eine medikamentöse Behandlung empfehlen, verschreibt diese aber in der Regel nicht selbst.

 


- Fachärzte für Psychiatrie

Sucht man einen Facharzt für Psychiatrie auf, hat dieser Medizin studiert. Meistens ist er auch Neurologe. Der Psychiater begreift psychische Erkrankungen eher als Folge gestörter Prozesse im Körper und im Gehirn. Er verschreibt dieser Annahme folgend Medikamente, ist aber kein Psychotherapeut. Für manche Menschen kann eine medikamentöse Behandlung gut funktionieren und relativ schnell zu einer Besserung der Symptomatik führen, sodass er kurzfristig schwierige Zeiten durchstehen oder besser schlafen kann. Der Antrieb kann verbessert und Ängste gelindert werden. Mit Absetzen der Medikamente ist ohne eine zusätzliche Psychotherapie aber meist die Problematik wieder da oder viel schlimmer als vorher. Medikamente haben oft Nebenwirkungen und sind nur unter verantwortlicher ärztlicher Überwachung zu verwenden. Patienten können zusätzlich unter den Nebenwirkungen leiden (z.B. starke Gewichtszunahme, Übelkeit oder neurologische Symptome wie Zittern). Viele Nebenwirkungen von Medikamenten verschwinden nach ein paar Wochen, andere bleiben dauerhaft, einige Medikamente können über Wochen und Jahre der Einnahme körperliche oder psychische Abhängigkeit oder in seltenen Fällen Organschäden verursachen. Eine Medikamentengabe ist daher immer abzuwägen und nie leichtfertig, gewohnheitsmäßig oder aus Zeitmangel des Behandlers zu verordnen. Eine ausschließliche medikamentöse Behandlung ist in den meisten Fällen nicht erstrebenswert. Vielen Menschen helfen Medikamente nicht.
Der Psychiater kann eine Überweisung in eine psychiatrische Einrichtung veranlassen.
Ist der Psychiater auch Psychotherapeut, lautet seine Bezeichnung in der Regel: Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er kombiniert dann oft die medikamentöse Behandlung mit einer klassischen Psychotherapie.


 

- Ergänzende Angebote zur Psychotherapie

Ergänzend zur klassischen Psychotherapie kannst Du eine Menge tun, damit es Dir wieder besser geht. Es gibt zahlreiche Angebote vieler Disziplinen. So kannst Du versuchen, Dich durch Yoga oder andere Techniken zu entspannen, (Gemeinschafts-)Sport jeglicher Art zu treiben, zu meditieren oder Dich in Achtsamkeit zu üben.

Eine Form der unterstützenden Therapie ist die
tiergestützte Therapie. Diese wird von in der tiergestützten Therapie oder tiergestützten Intervention ausgebildeten Menschen mit den entsprechend ausgebildeten Tieren angeboten. Dies sind in Deutschland in der Regel Hunde oder Pferde. Auch Delfine werden dafür eingesetzt (hier muss man in den entsprechenden Lebensraum reisen) - und seit relativ kurzer Zeit die sanften Alpakas.

Diese Form der tiergestützten Therapie biete ich auf meiner Alpakafarm an.
Die Behandlung richtet sich dabei individuell nach dem Betroffenen. Sie soll z.B. stabilisierend und angstlindernd wirken oder dabei helfen, wieder aktiver zu werden und Bewältigungsstrategien zu erarbeiten. Ich biete sowohl Einzel- als auch Gruppentherapien an. Ich arbeite mit niedergelassenen Psychotherapeuten und der Uniklinik Heidelberg zusammen.

Mehr Infos findest Du hier: